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Bundesverband der Mütterzentren e.V.

Newsletter Mai 2022

2022 02 Forschungsprojekt

Was brauchen Menschen, die sozial benachteiligt sind, um sich ehrenamtlich zu engagieren? Welche Wünsche und Erwartungen haben sie? Diese Fragen will Prof. Dr. Hollstein vom Max Weber Kolleg der Uni Erfurt beantworten. Der Bundesverband der Mütterzentren ist Kooperationspartner und wird dazu Workshops organisieren. Finanziert wird das Projekt von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt ein Jahr lang mit 70 000 Euro. Die Forschungsergebnisse sollen Politiker*innen helfen, nötige Rahmenbedingungen für alle Beteiligten zu schaffen. Wir erarbeiten dazu ein Hand-out für Mütterzentren und andere Organisationen, die das Glück haben, dass sich Menschen freiwillig bei ihnen engagieren.

 

2022 02 Erasmus Prag

Eigentlich ist das feine Liechtenstein-Palais in Prag nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Es dient der Regierung zum Repräsentieren und Staatsgästen, wie der englischen Königin, zum Übernachten.

Dass die Mütterzentren ihre Erasmus+ Abschlussveranstaltung hier unter Kronleuchtern abhalten durften, verdanken sie Rut Kolinská, die seit Jahrzehnten politische Ämter innehat und bis Mitte Mai das Prager Mütterzentrum leitete. Während der Konferenz hat sie ihre Nachfolgerin eingeführt.

Ein Rückblick auf die letzten drei Jahre Erasmus+ Projekt zum Thema „Lebenslanges Lernen in Mütterzentren“ zeigte, wie häufig geplant, umgeworfen und improvisiert werden musste. Trotzdem hatten wir Gelegenheit, viel über Waldpädagogik und Streetwork in Slowenien, generationenübergreifende Betreuung in Deutschland und Prävention in Mütterzentren in Tschechien zu lernen. Als wir uns nicht vor Ort treffen konnten, ging es auch digital. Wenn Mütterzentren etwas gut können, dann ist es genau das: Mit dem was da ist, kreativ umgehen und Probleme lösen. Das haben sowohl die Reaktionen auf die Pandemie als auch auf den Ukraine Krieg gezeigt.

Besonders eindrücklich schilderten unsere slowakischen Kolleginnen, wie schnell sie die vielen Flüchtlingen in den Mütterzentren versorgt haben, anstatt auf staatliche Hilfe zu warten. „Als Mütter sehen wir die Zukunft durch die Augen der Kinder und die brauchen Sicherheit und keinen Krieg“, kommentierte Alena Wagnerova, eine tschechische Schriftstellerin, die die Mütterzentrumsbewegung in Deutschland erlebt und Anfang der neunziger Jahre in der Slowakei und in Tschechien bekannt gemacht hat. “Das war nach dem Ende des kommunistischen Regimes. Damals musste sich das ganze Land neu erfinden – das galt auch für uns Frauen und dafür hatten wir in den Mütterzentren den passenden Raum“, sagt Rut Kolinská.

Nach dem Festakt gab es noch viele Gelegenheiten zum Austausch und Pläne schmieden für das nächste Projekt.

 

2022 02 Barcelona

Wie finanziert ihr euch? Was genau sind Gastgeber*innen? Wer kommt zu euch? Zwei Tage lang hat Ute Latzel Antworten gegeben auf die vielen Fragen, die ihr in Barcelona zu Mütterzentren und Mehrgenerationenhäusern gestellt wurden. Die Stadtverwaltung der katalonischen Hauptstadt hatte Vertreter*innen von interessanten Stadteilprojekten aus Europa eingeladen. „Zu den Präsentationen sind kommunale Angestellte gekommen. Das reichte von der Pädagogischen Leitung des Picasso-Museums bis zu den Angestellten der Stadtteilzentren“, sagt Ute Latzel. Spannend fand sie, vor Ort ein neu errichtetes Stadtteilzentrum zu besichtigen. Die dortigen Leiterinnen hatten während des Baus das Generationenhaus in Stuttgart besucht und waren begeistert. Einige Elemente der Mütterzentren und Mehrgenerationenhäuser finden sich jetzt in den offenen und gemütlichen Räumen in Barcelona.

 

2022 02 Fachtag

Wie kommen wir an Geld für unsere Mütterzentren und Projekte? Das wollten die Teilnehmerinnen im gut besuchten Workshop „Wissen um Fördertöpfe“ erfahren, der auf unserem digitalen Fachtag Anfang Mai stattfand. „Geldakquise ist kein Selbstläufer, sondern Beziehungsarbeit“ erklärte Dorothee Reimann vom Mütterzentrum Leipzig anhand eines Beispiels: „Wir machen Bußgeldmarketing. Dafür tingeln wir einmal im Jahr durch das Leipziger Amtsgericht, stellen unsere Arbeit vor und geben den Richterinnen und Richtern die Informationen, die wichtig sind, damit sie an uns denken, wenn sie Geld zu verteilen haben.“ Es ist schließlich eine win-win-Situation: Mütterzentren arbeiten präventiv, kümmern sich um Familien in schwierigen Lebenslagen und sind Orte, an denen Sozialstunden abgeleistet werden können.

Netzwerkpflege ist auch das A und O beim Einwerben von Firmenspenden vor Ort. „Stellt vor, wie ihr Familien entlastet durch eure tollen Angebote oder bietet ein Catering oder Kinderbetreuung für Firmenfeiern an“, sagte Ute Latzel. Sie betonte auch, dass Firmen, Service-Clubs wie die Lions und private Stifter gern für etwas Konkretes spenden: Spielgeräte, ein Auto oder Lastenrad. Vielleicht auch für den Mitgliedsbeitrag beim Paritätischen , der für kleine Zentren schwer zu leisten ist. Ute Latzels Tipp: „Lasst euch bei der Organisation „Stifter-helfen“ registrieren.

Bei Förderanträgen rät sie: „Ihr solltet nicht nur die FAQs anschauen, sondern auch bei der Servicestelle anrufen und prüfen, ob der Antrag eine Chance hat oder ob ihr ihn passender machen müsst.“ Die Schlagwörter aus der Ausschreibung sollten unbedingt wiederholt werden.

Bei der anschließenden Diskussion gab es noch viele gute Hinweise, die wir nach und nach in unserer Facebook-Gruppe für Mitglieder posten werden.

 

2022 02 Maria

Maria Salinas ist Mütterzentrumsfrau, Buchhalterin, Vorsitzende des Integrationsrats Münster und alleinerziehende Mutter. Sie vertritt den Bundesverband der Mütterzentren seit einem Jahr im Deutschen Frauenrat im Ausschuss „Armut. Raus aus der Armut. Teilhabe für Frauen sichern“.

Maria, was hat dich motiviert in den Armuts-Ausschuss zu gehen?

Ich bin seit über zehn Jahren im Mütterzentrum MUM in Münster und habe dort viel Kontakt mit Frauen, die in die Armutsfalle geraten – ganz egal wie gut sie ausgebildet sind. Das kann ja schon passieren, wenn du ein Kind bekommst, am Anfang zu Hause bleibst, die unbezahlte Care-Arbeit übernimmst und dein Mann dich verlässt. Bei Frauen mit Migrationsgeschichte kommt noch hinzu, dass es kaum Sprachkurse mit Kinderbetreuung gibt. Ohne Sprachkenntnisse gibt es keine Arbeit, weniger Zugang zu Information und Teilhabe.

Was macht ihr konkret im Ausschuss?

Wir sind Vertreterinnen verschiedener Frauenorganisationen und haben erst einmal identifiziert, aus welchen Gründen Frauen von Armut betroffen sind, um dann Handlungsempfehlungen an die Bundesregierung zu formulieren. So würde es z.B. helfen, wenn Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen umgewandelt würden. Wir fordern das Erwerb-und-Sorge-Modell nach dem Gleichstellungsbericht. Frauen und Männer sollten beide existenzsichernden Beschäftigungen nachgehen können und noch Zeit für Hausarbeit und Kinder- oder Altenbetreuung haben.

Du selbst kommst aus Bolivien, spielt das eine Rolle bei deinem politischen Engagement?

Ich setze mich für die Interessen aller benachteiligten Frauen ein, kenne aber besonders gut die Perspektive migrantischer Frauen . Ich bin stolz, dass ich die im Deutschen Frauenrat einbringen darf.

 

2022 02 Demokratie

Familienministerin Lisa Paus und Innenministerin Nancy Faeser setzen sich für ein Demokratieförderungsgesetz ein. Aber was soll da überhaupt drinstehen? Bei dem Thema hat es ist es sinnvoll, Zivilgesellschaft und Wissenschaftler*innen zu befragen.

Der Bundesverband der Mütterzentren hat in seiner Stellungnahme betont:

  • Demokratieförderung darf nicht abhängig von der Haushaltslage sein, sondern muss kontinuierlich stattfinden. Damit Projekte nachhaltig erfolgreich sind, braucht es mehr als nur Anschubfinanzierung.
  • Mitbestimmung ist in jeder Lebensphase wichtig. Deshalb muss Demokratieförderung altersunabhängig sein und früh beginnen.
  • Möglichkeiten der Beteiligung müssen barrierefrei und verständlich sein, damit sich wirklich alle angesprochen fühlen können.
  • Mitbestimmung macht nur dann Sinn, wenn sie auch ermöglicht, Strukturen zu verändern.

 

2022 02 Prager Mütterzentrum

Fast 300 Mütter- und Familienzentren gibt es in Tschechien. Das erste wurde vor genau 30 Jahren im ehemaligen Gebäude des YMCA eröffnet. Gründerin und auch Vorsitzende des Netzwerks der tschechischen Mütterzentren ist Rut Kolinská.

„Am Anfang trafen wir uns als Freundinnen, die Freuden und Sorgen teilten und gemeinsam organisierten wir Programme für Eltern und Kinder. Dann haben wir ein Konzept nach deutschem Vorbild erarbeitet, das immer wieder neuen Gegebenheiten angepasst wurde“, sagt Rut Kolinská.

Inzwischen kommen auch viele Väter und ältere Menschen ins Mütterzentrum. Angeboten wird neben der Kinderbetreuung professionelle Beratung. Professionelle soziale Dienstleistungen müssen tschechische Mütterzentren anbieten, damit sie vom Ministerium für Arbeit und Soziales finanziell unterstützt werden. „Ich sehe unsere Arbeit vor allem als präventiv an“, fügt Rut Kolinská hinzu. „Dabei darf die gegenseitige Hilfe nicht unterschätzt werden, die geleistet wird, wenn Menschen sich an einem schönen öffentlichen Ort treffen, sich darüber austauschen, welche Bedingungen das Leben von Familien verbessern würden und dies in die Politik tragen.“

Ein besonders schönes Mütterzentrum liegt auf der Prager Halbinsel Kampa, mitten in einem Park an der Karlsbrücke. Zu dem kleinen Haus gehört ein Garten mit Kräuterbeeten, Sandkasten, Holzbänken und Tischen unter alten Bäumen. Das Zentrum wird von den Familien aus der Umgebung genutzt und gepflegt. Zwölf Kinder besuchen den Kindergarten. Geringfügig beschäftigt sind dort sieben Frauen.

 

2022 02 Innovationspreis

Kennt ihr ein Unternehmen, dass während der Pandemie besonders familienfreundliche Bedingungen eingeführt hat? Und diese auch beibehält? Dann könnt ihr dieses bis zum 24. Juni für den Innovationspreis Vereinbarkeit vorschlagen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend prämiert kleine, mittlere und große Unternehmen. Und es wirbt mit einem Logo, auf dem der Papa einen Blaumann und keinen Anzug trägt. Das finden wir mal innovativ.
Innovationspreis | Erfolgsfaktor Familie - BMFSFJ (erfolgsfaktor-familie.de)

Abschlusskonferenz Erasmus Plus in Prag

Eigentlich ist das feine Liechtenstein-Palais in Prag nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Es dient der Regierung zum Repräsentieren und Staatsgästen, wie der englischen Königin, zum Übernachten.

Dass die Mütterzentren ihre Erasmus+ Abschlussveranstaltung hier unter Kronleuchtern abhalten durften, verdanken sie Rut Kolinská, die seit Jahrzehnten politische Ämter innehat und bis Mitte Mai das Prager Mütterzentrum leitete. Während der Konferenz hat sie ihre Nachfolgerin eingeführt.

Ein Rückblick auf die letzten drei Jahre Erasmus+ Projekt zum Thema „Lebenslanges Lernen in Mütterzentren“ zeigte, wie häufig geplant, umgeworfen und improvisiert werden musste. Trotzdem hatten wir Gelegenheit, viel über Waldpädagogik und Streetwork in Slowenien, generationenübergreifende Betreuung in Deutschland und Prävention in Mütterzentren in Tschechien zu lernen. Als wir uns nicht vor Ort treffen konnten, ging es auch digital. Wenn Mütterzentren etwas gut können, dann ist es genau das: Mit dem was da ist, kreativ umgehen und Probleme lösen. Das haben sowohl die Reaktionen auf die Pandemie als auch auf den Ukraine Krieg gezeigt.

Besonders eindrücklich schilderten unsere slowakischen Kolleginnen, wie schnell sie die vielen Flüchtlingen in den Mütterzentren versorgt haben, anstatt auf staatliche Hilfe zu warten. „Als Mütter sehen wir die Zukunft durch die Augen der Kinder und die brauchen Sicherheit und keinen Krieg“, kommentierte Alena Wagnerova, eine tschechische Schriftstellerin, die die Mütterzentrumsbewegung in Deutschland erlebt und Anfang der neunziger Jahre in der Slowakei und in Tschechien bekannt gemacht hat. “Das war nach dem Ende des kommunistischen Regimes. Damals musste sich das ganze Land neu erfinden – das galt auch für uns Frauen und dafür hatten wir in den Mütterzentren den passenden Raum“, sagte Rut Kolinská.

Nach dem Festakt gab es noch viele Gelegenheiten zum Austausch und Pläne schmieden für das nächste Projekt.

Ute Latzel in Barcelona

Wie finanziert ihr euch? Was genau sind Gastgeber*innen? Wer kommt zu euch? Zwei Tage lang hat Ute Latzel Antworten gegeben auf die vielen Fragen, die ihr in Barcelona zu Mütterzentren und Mehrgenerationenhäusern gestellt wurden. Die Stadtverwaltung der katalonischen Hauptstadt hatte Vertreter*innen von interessanten Stadteilprojekten aus Europa eingeladen. „Zu den Präsentationen sind kommunale Angestellte gekommen. Das reichte von der Pädagogischen Leitung des Picasso-Museums bis zu den Angestellten der Stadtteilzentren“, sagt Ute Latzel. Spannend fand sie, vor Ort ein neu errichtetes Stadtteilzentrum zu besichtigen. Die dortigen Leiterinnen hatten während des Baus das Generationenhaus in Stuttgart besucht und waren begeistert. Einige Elemente der Mütterzentren und Mehrgenerationenhäuser finden sich jetzt in den offenen und gemütlichen Räumen in Barcelona.

Geld einwerben – Darum ging es auf dem digitalen Fachtag

Wie kommen wir an Geld für unsere Mütterzentren und Projekte? Das wollten die Teilnehmerinnen im gut besuchten Workshop „Wissen um Fördertöpfe“ erfahren, der auf unserem digitalen Fachtag Anfang Mai stattfand. „Geldakquise ist kein Selbstläufer, sondern Beziehungsarbeit“ erklärte Dorothee Reimann vom Mütterzentrum Leipzig anhand eines Beispiels: „Wir machen Bußgeldmarketing. Dafür tingeln wir einmal im Jahr durch das Leipziger Amtsgericht, stellen unsere Arbeit vor und geben den Richterinnen und Richtern die Informationen, die wichtig sind, damit sie an uns denken, wenn sie Geld zu verteilen haben.“ Es ist schließlich eine win-win-Situation: Mütterzentren arbeiten präventiv, kümmern sich um Familien in schwierigen Lebenslagen und sind Orte, an denen Sozialstunden abgeleistet werden können.

Netzwerkpflege ist auch das A und O beim Einwerben von Firmenspenden vor Ort. „Stellt vor, wie ihr Familien entlastet durch eure tollen Angebote oder bietet ein Catering oder Kinderbetreuung für Firmenfeiern an“, sagte Ute Latzel. Sie betonte auch, dass Firmen, Service-Clubs wie die Lions und private Stifter gern für etwas Konkretes spenden: Spielgeräte, ein Auto oder Lastenrad. Vielleicht auch für den Mitgliedsbeitrag beim Paritätischen , der für kleine Zentren schwer zu leisten ist. Ute Latzels Tipp: „Lasst euch bei der Organisation „Stifter-helfen“ registrieren.

Bei Förderanträgen rät sie: „Ihr solltet nicht nur die FAQs anschauen, sondern auch bei der Servicestelle anrufen und prüfen, ob der Antrag eine Chance hat oder ob ihr ihn passender machen müsst.“ Die Schlagwörter aus der Ausschreibung sollten unbedingt wiederholt werden.

Bei der anschließenden Diskussion gab es noch viele gute Hinweise, die wir nach und nach in unserer Facebook-Gruppe für Mitglieder posten werden.

Interview mit Maria Salinas

Maria Salinas ist Mütterzentrumsfrau, Buchhalterin, Vorsitzende des Integrationsrats Münster und alleinerziehende Mutter. Sie vertritt den Bundesverband der Mütterzentren seit einem Jahr im Deutschen Frauenrat im Ausschuss „Armut. Raus aus der Armut. Teilhabe für Frauen sichern“.

Maria, was hat dich motiviert in den Armuts-Ausschuss zu gehen?

Ich bin seit über zehn Jahren im Mütterzentrum MUM in Münster und habe dort viel Kontakt mit Frauen, die in die Armutsfalle geraten – ganz egal wie gut sie ausgebildet sind. Das kann ja schon passieren, wenn du ein Kind bekommst, am Anfang zu Hause bleibst, die unbezahlte Care-Arbeit übernimmst und dein Mann dich verlässt. Bei Frauen mit Migrationsgeschichte kommt noch hinzu, dass es kaum Sprachkurse mit Kinderbetreuung gibt. Ohne Sprachkenntnisse gibt es keine Arbeit, weniger Zugang zu Information und Teilhabe.

Was macht ihr konkret im Ausschuss?

Wir sind Vertreterinnen verschiedener Frauenorganisationen und haben erst einmal identifiziert, aus welchen Gründen Frauen von Armut betroffen sind, um dann Handlungsempfehlungen an die Bundesregierung zu formulieren. So würde es z.B. helfen, wenn Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen umgewandelt würden. Wir fordern das Erwerb-und-Sorge-Modell nach dem Gleichstellungsbericht. Frauen und Männer sollten beide existenzsichernden Beschäftigungen nachgehen können und noch Zeit für Hausarbeit und Kinder- oder Altenbetreuung haben.

Du selbst kommst aus Bolivien, spielt das eine Rolle bei deinem politischen Engagement?

Ich setze mich für die Interessen aller benachteiligten Frauen ein, kenne aber besonders gut die Perspektive migrantischer Frauen . Ich bin stolz, dass ich die im Deutschen Frauenrat einbringen darf.

Demokratie besser fördern

Familienministerin Lisa Paus und Innenministerin Nancy Faeser setzen sich für ein Demokratieförderungsgesetz ein. Aber was soll da überhaupt drinstehen? Bei dem Thema hat es ist es sinnvoll, Zivilgesellschaft und Wissenschaftler*innen zu befragen.

Der Bundesverband der Mütterzentren hat in seiner Stellungnahme betont:

  • Demokratieförderung darf nicht abhängig von der Haushaltslage sein, sondern muss kontinuierlich stattfinden. Damit Projekte nachhaltig erfolgreich sind, braucht es mehr als nur Anschubfinanzierung.
  • Mitbestimmung ist in jeder Lebensphase wichtig. Deshalb muss Demokratieförderung altersunabhängig sein und früh beginnen.
  • Möglichkeiten der Beteiligung müssen barrierefrei und verständlich sein, damit sich wirklich alle angesprochen fühlen können.
  • Mitbestimmung ist nur sinnvoll, wenn sie auch ermöglicht, Strukturen zu verändern.

Mütterzentren in Prag

Fast 300 Mütter- und Familienzentren gibt es in Tschechien. Das erste wurde vor genau 30 Jahren im ehemaligen Gebäude des YMCA eröffnet. Gründerin und auch Vorsitzende des Netzwerks der tschechischen Mütterzentren ist Rut Kolinská.

„Am Anfang trafen wir uns als Freundinnen, die Freuden und Sorgen teilten und gemeinsam organisierten wir Programme für Eltern und Kinder. Dann haben wir ein Konzept nach deutschem Vorbild erarbeitet, das immer wieder neuen Gegebenheiten angepasst wurde“, sagt Rut Kolinská.

Inzwischen kommen auch viele Väter und ältere Menschen ins Mütterzentrum. Angeboten wird neben der Kinderbetreuung professionelle Beratung. Professionelle soziale Dienstleistungen müssen tschechische Mütterzentren anbieten, damit sie vom Ministerium für Arbeit und Soziales finanziell unterstützt werden. „Ich sehe unsere Arbeit vor allem als präventiv an“, fügt Rut Kolinská hinzu. „Dabei darf die gegenseitige Hilfe nicht unterschätzt werden, die geleistet wird, wenn Menschen sich an einem schönen öffentlichen Ort treffen, sich darüber austauschen, welche Bedingungen das Leben von Familien verbessern würden und dies in die Politik tragen.“

Ein besonders schönes Mütterzentrum liegt auf der Prager Halbinsel Kampa, mitten in einem Park an der Karlsbrücke. Zu dem kleinen Haus gehört ein Garten mit Kräuterbeeten, Sandkasten, Holzbänken und Tischen unter alten Bäumen. Das Zentrum wird von den Familien aus der Umgebung genutzt und gepflegt. Zwölf Kinder besuchen den Kindergarten. Geringfügig beschäftigt sind dort sieben Frauen.

„Familienhandwerker “

Das ist der neue Name der Organisation, die vor 12 Jahren unter dem Namen „Mein Papa kommt“ gegründet wurde. Damals ging es darum, getrennten und entfernt lebenden Vätern bei Wochenendbesuchen am Wohnort ihrer Kinder eine Bleibe zu vermitteln. Oder ein Kinderzimmer, um Zeit miteinander verbringen zu können, ohne etwas konsumieren zu müssen. Auch einige Mütterzentren stellen Räume dafür zur Verfügung. Die Namensänderung wurde jetzt beschlossen, weil auch Müttern oft das Geld für Hotelzimmer fehlt, wenn sie ihre beim Vater lebenden Kinder besuchen. Und dann gibt es natürlich noch Regenbogenfamilien. Wir finden den neuen Namen passend und empfehlen euch die hörenswerten podcasts der Familienhandwerker. Themen sind z.B. die Familiengründung 2.0, Sex und Müdigkeit oder Funkstille.

Die Familienhandwerker | Podcast auf Spotify

Innovationspreis Vereinbarkeit

Kennt ihr ein Unternehmen, dass während der Pandemie besonders familienfreundliche Bedingungen eingeführt hat? Und diese auch beibehält? Dann könnt ihr dieses bis zum 24. Juni für den Innovationspreis Vereinbarkeit vorschlagen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend prämiert kleine, mittlere und große Unternehmen. Und es wirbt mit einem Logo, auf dem der Papa einen Blaumann und keinen Anzug trägt. Das finden wir mal innovativ.
Innovationspreis | Erfolgsfaktor Familie - BMFSFJ (erfolgsfaktor-familie.de)

Bitte die Daumen drücken

Daumen drücken

Soziale Ungleichheit im Bürgerschaftlichen Engagement und Ehrenamt lautet das Thema der Ausschreibung für einen Forschungsauftrag der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Prof. Bettina Hollstein von der Universität Erfurt hat mit dem Bundesverband der Mütterzentren als Kooperationspartner eine Interessenbekundung eingereicht. Eines der Ergebnisse im Fünften Deutschen Freiwilligensurvey ist, dass sich viel mehr Menschen mit mittleren und hohen Schulabschlüssen engagieren als Menschen mit wenig Schulbildung. Wir würden gern wissen, ob das auch für die Mütterzentren zutrifft und welche Rahmenbedingungen eine gerechtere Teilhabe fördern.

Save the Date: Digitaler Fachtag

Fachtag2

Wissen ist Macht. Das ist der Titel unseres Digitalen Fachtags am 6.5.2022. Was müssen wir über kommunalpolitische Strukturen wissen, damit wir sie für unser Mütterzentrum nutzen können? Wie erreichen wir diejenigen, die über die Mittelvergabe entscheiden? Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Wo finden wir die Infos darüber und wann lohnt sich die Antragstellung? Zu diesen Fragen gibt es Workshops mit Praxisexpertinnen.

Wie passen Frauen, Macht und Geld zusammen? Das beantwortet Finanzcoach Annette Mücke in einem spannenden Impulsvortrag. Den solltet ihr nicht verpassen!

Dialogtische

Dialogtisch

Nach unserer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne bieten wir ab Mai die ersten Schulungen für Moderator*innen für Dialogtische an. Den ersten Probedurchlauf gab es schon beim BV-Treffen im Mütterzentrum Braunschweig. Hat Spaß gemacht, an Tischen im offenen Bereich mit Hilfe der schön gestalteten Materialien aus dem Überraschungs-, nein Moderationskoffer zu diskutieren. Bestückt wurde er von Yvonne Plöger, Ute Latzel und Dorothee Reimann, unseren Expertinnen für spannende Seminare und Methoden.

Bitte Termine und Orte für die Schulungen vormerken. Einladung folgt demnächst.

13. - 14. Mai in Münster
17. - 18. Juni in Leipzig
14. - 15. Oktober in Stuttgart

Expert*innen-Gespräch in Barcelona

Ute

Um Freiwilliges Engagement und lebendige Nachbarschaften geht es auch in einem Gespräch, das Ute Latzel im Mai mit der Stadtverwaltung von Barcelona führen wird. Wie können Mütterzentren und Mehrgenerationenhäuser die negativen Auswirkungen der Pandemie abfedern? Vereinsamung, Verarmung, aber auch Überalterung sind die Probleme, für die die katalonische Stadt Lösungen sucht. Als Geschäftsführerin des Mütter- und Familienzentrums MGH Bad Nauheim, langjähriges Mitglied im Steuerungskreis des Bundesverbands der Mütterzentren e.V. und gute Kennerin Spaniens, ist Ute Latzel bestens vorbereitet, um ihre Erfahrungen zu teilen.

Erasmus+ in Braunschweig und Salzgitter

Erasmus

Wie geht eigentlich generationenübergreifendes Arbeiten? Das wollten Mütterzentrumskolleginnen aus Slowenien, Tschechien und der Slowakei genau wissen. Sie besuchten Anfang Februar im Rahmen unseres Erasmus+ Programms die Mütterzentren in Braunschweig und Salzgitter. Auf dem Programm: ein Wunsch-Großelternprojekt, ein Vorlese-Opa und Workshops zum Altersrand-Projekt in Salzgitter. „Wenn ich alt bin, möchte ich auch unbedingt so ein Haus in meiner Nähe haben“ sagte Martina Kozuchova aus der Hohen Tatra nach der Führung durch das lichtdurchflutete SOS-Mütterzentrum in Salzgitter. Und wer hätte die besser leiten können als Hildegard Schooß? Sie hat sich mit dem Altersrand ihren Lebenstraum vom gemeinsamen Alltag von Jung und Alt verwirklicht. Viel näher kann man dem Modell der Großfamilie kaum kommen, sind sich alle einig.

Verstärkung im Steuerungskreis

Steuereungskreis 2021

Wir haben drei neue Mitglieder: Mit Clarisa Ferrer de del Castillo Campos aus dem Mütterzentrum Norderstedt ist jetzt auch Schleswig-Holstein bei uns vertreten. Mit Sarah Schöche aus dem Mütterzentrum ZenJA Langen zieht die zweite Generation der Mütterzentrums-Engagierten bei uns ein. Und Maria Adelia Salinas vom MuM in Münster steckt so voller Energie, dass sie uns schon jetzt im Deutschen Frauenrat vertritt. Sie ist Mitglied im Fachausschuss: Raus aus der Armut. Teilhabe von Frauen sichern. Einer der Lieblingssätze der gebürtigen Bolivianerin: „Wir Migrant*innen sprechen zwar mit Akzent, aber wir denken nicht mit Akzent.“

Das lohnt sich

In die eigene Bildung investieren – das lohnt sich immer! Unschlüssig, ob die Zeit reicht? Oder wie ihr einen Lehrgang finanzieren sollt? Die Kurse der Fernschule sgd könnt ihr jetzt vier Wochen lang kostenlos testen. Außerdem gibt es viele neue Fördermöglichkeiten, die ihr in einem Begleitheft findet. Das Angebot reicht von Betriebswirtschaft über Social Media Management bis Erziehungsberatung. Es gibt weit über 100 Angebote. Und wem das nicht reicht: Die sgd kooperiert mit fünf weiteren Fern- und Hochschulen. Mitarbeiter*innen und Besucher*innen der Mütterzentren erhalten einen Rabatt von 20 Prozent.

Beraten lassen könnt ihr euch unter: 0800 80660 00 oder online: www.sgd.de

Best practice: Nachhaltigkeitsbeauftragte im Mütterzentrum Langen

„Zuerst haben wir in unserer Familie angefangen, so umweltfreundlich wie möglich zu leben. Das hat so gut geklappt, dass ich auch im Mütterzentrum möglichst viel reduzieren, wiederverwenden und recyclen wollte“, sagt Sarah Schöche, die Nachhaltigkeitsbeauftragte im Mütterzentrum Langen ZenJA. Seitdem stellt sie mit ihrem Team nicht nur alle Reinigungsmittel und Seifen selber her. Das ZenJA kooperiert auch mit einem Unverpackt-Laden, kompostiert mit einem Bokashi-Eimer, um den Gemüse- und Kräutergarten zu düngen und organisiert Feriencamps für kleine „Umwelthelden*innen“. Es sammelt gebrauchte Schuhe für die Organisation www.shuuz.de und in der Arbeitsgruppe wirFAIRändern werden neue Ideen in die Tat umgesetzt. Natürlich gibt es auch einen Secondhand-Shop: „Mein ganzer Stolz“, sagt Sarah, die den alten Bauwagen im Garten liebevoll aufgearbeitet und mit einem roten Ofen, ausrangierten Spinden und Ästen als Kleiderstangen ausstaffiert hat.

Mehr Infos: ZenJA - wirFAIRändern-Jung & Alt

Mala Ulica. Das etwas andere Mütterzentrum in Ljubljana

Ein Highlight im Erasmus+ Programm war der Besuch des slowenischen Mütterzentrums Mala Ulica. Ein liebevoll umgestaltetes ehemaliges Badehaus mitten in Ljubiljanas Altstadt.

Dreizehn Jahre lang hat die Leiterin Eva Srmljan bei der Stadt um das Gebäude und die Finanzierung gekämpft. Mit Erfolg. Seit 2013 wird das Zentrum mit 11 Festangestellten fast vollständig von der Stadt getragen. Wer sich bei Mala Ulica engagiert, wird bezahlt. Wer das Zentrum besucht, zahlt Eintritt oder einen Jahresbeitrag. Wer das nicht kann, darf umsonst herein.

Besonders beliebt sind die Ferienkurse im Wald, mit dem bei Mala Ulica arbeitenden Förster. Oder es geht auf ein weitläufiges Gartengrundstück, das die Stadt Mala Ulica überlassen hat. Die Kinder bauen Hütten, einen Pizzaofen und Tarzanschaukeln. Sie kochen zusammen in der improvisierten Gartenküche und pflanzen Salat. Für über 100 Kinder übernimmt die Stadt alle Kosten in den Sommerferien, die in Slowenien zehn Wochen lang sind.

Weil gerade die Kinder aus armen Familien selten ins Zentrum kommen, arbeitet Mala Ulica mit den Kindern vor Ort. Dafür werden Studenten*innen ausgebildet, die mit den Kindern Fußball spielen, mit ihnen sprechen oder einfach nur präsent sind.

Geöffnet hat Mala Ulica jeden Tag, auch an Sonn- und Feiertagen, von 10 bis 19 Uhr. „Wir haben 25.000 Besucher pro Jahr“ sagt Eva Srmljan Kreslin. „Wir werden gebraucht – da ist es doch nur logisch, dass die Stadt ordentlich in uns investiert“.

Webseite: Mala ulica 

Prag-Reise

Was für ein befreiendes Gefühl: Nach all den Videokonferenzen endlich wieder ein Treffen vor Ort. Im Rahmen des Erasmus Programms „lifelong learning“ waren Christiane Liebendörfer, Kerstin Tempel und Ute Latzel vier Tage in Prag, um sich mit unseren osteuropäischen Kolleginnen auszutauschen. Sie besuchten Mütterzentren auf dem Land und in der Stadt. Eine Herausforderung in Tschechien ist z.B. auch Roma und Sinti Familien zu erreichen.

Ein Beispiel für gelingendes Miteinander im Quartier ist das in einem modernisierten und begrünten Viertel gelegene Mütterzentrum Klubíčko, dessen Einrichtung das lokale Einkaufscenter gesponsoert hat.

 

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